Besinnlich

Ich lese, dass die Autobahnbrücke in Lüdenscheid schneller fertig wird als gedacht. Ich habe mal in der Nähe der Brücke, deren Sperrung eine ganze Region abhängte, gewohnt. Ich weiß noch, wie ungewohnt still es erst war und dann der Stau. 

Mal eine gute Nachricht denke ich. Gute Nachrichten sind in Zeiten von Autokraten und Kriegen, Hysterie und Sorge, immer schneller werdenden Schlagzeilen und Tweets selten. Manchmal denke ich zurück an die Coronazeit, deren Virusforschung und daraus folgenden politischen Entscheidungen auch heute nicht wirklich beurteilbar sind.  

Ich denke zurück und weiß noch, wie vorsichtig und sorgsam wir nicht nur für uns selbst, sondern auch für unsere Mitmenschen waren. Was ist nur passiert in den Jahren danach? Die Welt scheint kälter und Kriege sind näher gekommen. Hass und Unversöhnlichkeit an vielen Orten, zwischen Ländern und Menschen. „Über sieben Brücken musst du gehen, sieben dunkle Jahre überstehen, siebenmal musst du die Asche sein, aber einmal auch der helle Schein.“ Das Lied kommt aus den Tiefen meiner Jugenderinnerungen. „Wie lange noch?“, schrieb mir ein Gemeindemitglied gestern Abend. Wir wissen alle, dass nach Corona nicht der helle Schein kam, hoffen heute immer noch auf Frieden in der Ukraine und im Land, das wir heilig nennen und in … und in … und in … – die Liste ist sehr lang.  

Haben wir den Regenbogen als Hoffnungszeichen überstrapaziert in Corona Zeiten? Trägt er noch oder ruft er als Zeichen der Verschiedenheit inzwischen eher Diskussionen hervor?   

„Der Wunsch nach der Landschaft diesseits der Tränengrenze taugt nicht, der Wunsch, den Blütenfrühling zu halten, der Wunsch, verschont zu bleiben, taugt nicht.“, schreibt die Dichterin Hilde Domin. Manchmal sehe ich am Himmel den Regenbogen zwischen Sonne und Hagel. Der Bogen ist eine Brücke. Gott baut Brücken, aber eine Garantie auf Verschonung, auf „Landschaft jenseits der Tränengrenze“ hat er nicht gegeben. Es hat immer dunkle und helle Zeiten gegeben, bedroht und nicht selbstverständlich war unser menschliches Leben zu vielen Zeiten. Bedroht von außen und durch unsere Feindschaft gegeneinander. Hilde Domin sagt: Wir Menschen sind mit dem „Wasser der Sintflut“ gebadet worden und das hat uns erreicht, durchnässt bis auf unsere „Herzhaut“. Es geht nur beides: „immer versehrter und immer heiler“. Dunkle Jahre und heller Schein, singt Peter Maffay, und ich weiß – Zeichen der Nähe setzt Gott in unsere Welt, egal zu welcher Zeit.  

 

Eine gute Passions- und Osterzeit wünscht  
Pfarrerin Katrin Hirschberg-Sonnemann