Besinnlich

Liebe Gemeindemitglieder, liebe Besucher unserer Homepage,

welche Vorsätze haben Sie sich für dieses neue Jahr gemacht?
Nicht mehr so aufregen, immer pünktlich kommen, aufhören zu rauchen, gesünder essen? Die Liste möglicher guter Vorsätze könnte wohl endlos fortgesetzt werden.
Das neue Jahr liegt vor uns wie unbeschriebene Blätter.
Wie möchten wir sie gestalten?
Vielleicht kennen Sie das: Sie nehmen ein neues Notizbuch zur Hand.
Vielleicht ein sehr schönes mit hübschem Einband und hochwertigen Seiten.
Was möchten Sie hineinschreiben? Welchen Stift möchten Sie verwenden?
Kaum sind die ersten Seiten beschriftet, passiert es schnell, dass alte Unsitten einschleichen: der gute Vorsatz, ab jetzt täglich hineinzuschreiben, kann an manch ereignisreichem Tag nicht umgesetzt werden.
Vielleicht sind Sie auch nach ein paar Einträgen unzufrieden mit dem zuvor überlegten Konzept, haben neue Ideen.
Der Zauber des neu beschriebenen Buches ist ein Stück weit verflogen.
Wo zuvor positive Aufregung und Vorfreude war, breitet sich Unzufriedenheit aus.

Ähnlich ist es wohl mit den Vorsätzen genau zur Jahreswende. Wer hat sie sich nicht schon zur Jahreswende gemacht? Doch ist es möglich und sinnvoll, sich von einem auf den anderen Tag ändern zu wollen? Die Frage ist, wie wir mit dem umgehen, was wir nicht so beabsichtigt haben, was nicht in unserer Hand liegt.
Wie gehen wir mit den Unannehmlichkeiten, den kleinen und großen Unfällen im Alltag, den Pannen, Krisen, den Schmerzen um? Wie mit den Verlusten, den notwendigen und den gewünschten Neuanfängen, die es zu gestalten gilt?
Wir können planen, uns gute Vorsätze machen, doch wir haben unsere Zukunft nicht in der Hand.
Ich möchte Sie dazu einladen, das anzunehmen, was da kommt:
Die Unannehmlichkeiten des Alltags, die Pannen, Krisen. Ja, auch die Schmerzen, die Verluste sowie die notwendigen und gewünschten Neuanfänge. Ich möchte Sie und euch einladen, sich all den Herausforderungen – so schwer es manchmal ist – mit Mut zu stellen. Das ist das, was in unserer Hand liegt. Wir können bestimmen, wie wir mit dem, was auf uns zukommt, umgehen. Ich wünsche uns allen Mut dazu. Ich wünsche uns, dass wir mit
Hoffnung in unseren Herzen durch das neue Jahr gehen.

„Hoffnung ist nichts für Feiglinge“, sagte einmal die Theologin Dorothee Sölle. „Hoffnung ist nichts für Feiglinge. Sie ist Mut – im Vertrauen darauf, dass Licht stärker bleibt.“
Wahre Hoffnung erfordert Mut, weil sie nicht auf Sicherheit, sondern auf die Überzeugung setzt, dass Licht und Liebe stärker bleiben können als Dunkelheit und Leid.
Im Römerbrief heißt es in Kapitel acht: Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch irgendeine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.
Uns wird mit diesen Worten der Rücken gestärkt.
Für unseren Weg, unsere Nachfolge und unseren Glauben. Nichts kann uns von der Liebe Gottes scheiden.
So haben wir die Kraft, uns auf die Hoffnung in uns zu konzentrieren. Mut zu haben, Hoffnung in uns zuzulassen und zu bewahren. Es muss nicht von jetzt auf gleich alles perfekt laufen, was wir uns vornehmen und angehen. Vielleicht sollten wir aufhören, in diesen zeitlichen Kategorien zu denken – DER perfekte Tag, DAS perfekte Jahr – vielleicht sollten wir aufhören, uns damit selbst zu überfordern.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie mit Hoffnung in und auch durch dieses neue Jahr gehen. Sie muss nicht genau zur Jahreswende in Ihnen erblüht sein. Hoffnung kann wachsen. Gerade in diesen Zeiten ist Hoffnung gewiss nichts für Feiglinge.

Durch die Zusagen, die unser allmächtiger und menschgewordener Gott uns schenkt, der uns Worte des Trostes und der Hoffnung mit auf den Weg gibt – können wir den Mut fassen, ja darauf vertrauen, dass das Licht und damit die Liebe letztlich stärker bleibt.

Bleiben Sie behütet, 
Pfarrerin Katrin Brexeler